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Neues Hochwasserfrühwarnsystem in Betrieb

Zeit verschaffen

Rubrik: Nachrichten

Der sächsische Umweltstaatssekretär Dr. Frank Pfeil hat heute im Landeshochwasserzentrum (LHWZ) des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) das neue Frühwarnsystem vor Hochwasser durch Starkregen in Betrieb genommen. „Neben technischem Hochwasserschutz sind die Vorhersage- und Warnsysteme unseres Landeshochwasserzentrums ein elementarer Bestandteil der Vorsorge in Sachsen“, so Dr. Pfeil. „Rechtzeitige Warnungen schaffen Zeit, um Menschen oder Sachwerte in Sicherheit zu bringen. Das hilft, eintretende Schäden zu vermeiden oder wenigstens zu verringern. Nach der Flutkatastrophe von 2002 hat Sachsen sein Warnsystem in mehreren Schritten immer wieder verbessert“, betonte der Staatssekretär.

Das bestehende Hochwasserinformations- und -managementsystem (HWIMS) des Freistaates wurde in mehreren Schritten nach der Flutkatastrophe von 2002 entwickelt. Grundlage für die Warnungen sind mehr als einhundert Hochwassermeldepegel. Mit dieser Zahl hat Sachsen, bezogen auf seine Fläche, im Bundesvergleich die höchste Dichte an Hochwassermeldepegeln. Hochwasserwarnungen, die auf dieser Grundlage ermittelt werden, verteilt das Landeshochwasserzentrum zielgenau mit Eilbenachrichtigungen. Bei Überschreiten festgelegter Werte werden die zuständigen staatlichen Behörden, Kommunen sowie weitere Empfänger automatisch durch das HWIMS benachrichtigt. Der Empfang dieser Eilbenachrichtigungen wird durch ein Bestätigungssystem kontrolliert und somit sichergestellt. Dieses Vorgehen ist einmalig in Deutschland.

„Klimaexperten warnen weltweit jedoch auch vor einer Zunahme von lokalen Starkregenereignissen, für die ein auf Pegel bezogenes System nicht immer ausreichend schnell ist“, so Dr. Pfeil. „In Sachsen muss insbesondere in den Sommermonaten mit einer Zunahme solcher Ereignisse gerechnet werden. Diese Einschätzung unserer Fachleute wird durch eine Reihe von Ereignissen in den letzten Jahren bestätigt“. Insbesondere in kleinen Einzugsgebieten ist bei Starkregen die Zeit zwischen Niederschlag und schadbringendem Abfluss zu kurz für eine Warnung auf Basis von Beobachtungen. Ein Hochwassermeldepegel würde daher in diesen Fällen keine wirksame Vorwarnzeit schaffen. Außerdem kann durch Starkregen verursachtes wild abfließendes Wasser auch abseits von Flüssen mit Pegeln zu erheblichen Schäden führen. Um möglichst früh vor solchen Ereignissen warnen zu können, wurde das bestehende HWIMS um eine Funktion erweitert, die frühzeitig vor kleinräumigen, durch Starkregen ausgelöste Hochwasserereignisse warnt. Bei der Entwicklung wurden unter anderem die einzigen in Deutschland betriebenen Frühwarnsysteme aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz untersucht.

Um den mit dem heutigen Stand der Wissenschaft verbundenen Unsicherheiten bei der Niederschlagsvorhersage Rechnung zu tragen, die genaue Prognosen für Ort und Zeitpunkt zu erwartender Starkregen nicht absolut sicher zulassen, werden die Frühwarnungen für 16 Teilgebiete Sachsens herausgegeben. Die Größe dieser Teilgebiete ist geeignet, ein ausreichend treffsicheres Warnsystem zu gewährleisten. In einem Jahr Testbetrieb wurden 85 Prozent der später eintretenden Hochwasser durch Starkregen vorhergesagt, gleichzeitig wurde in nur einem Prozent der Fälle gewarnt, ohne dass anschließend ein solches Hochwasser auftrat. Die Prognosen des neu entwickelten Frühwarnsystems werden regelmäßig alle drei Stunden aktualisiert, um auch auf kurzfristige Wetterentwicklungen reagieren zu können. Sie sind über die Internetseite des LHWZ abruf- und per RSS-Feed auch abonnierbar. Ab 2019 werden sie auch über die amtliche „MeinePegel“-App des Länderübergreifenden Hochwasserportals (LHP) verfügbar gemacht werden, welche bereits heute einen individuell anpassbaren Benachrichtigungsservice für alle sächsischen Pegel für alle Empfänger bereithält.

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) arbeitet an weiteren Produkten für eine Verbesserung der Hochwasservorsorge, auch mit besonderem Blick auf Starkregen. So wurde Mitte 2017 das transnationale EU-Projekt „RAINMAN“ gestartet, in dem das LfULG zusammen mit neun anderen Partnern aus insgesamt sechs Mitgliedstaaten der EU weitere Schritte hin zu einem verbesserten Umgang mit Starkregenereignissen unternimmt. Als Pilotkommunen sind dabei die Stadt Meißen sowie die Gemeinde Oderwitz beteiligt, die in jüngster Vergangenheit von teilweise verheerenden Starkregenereignissen heimgesucht wurden. Gemeinsam mit diesen Kommunen werden Strategien für eine bessere Starkregenvorsorge erarbeitet und umgesetzt, wobei das Hochwasserfrühwarnsystem ein zentraler Baustein ist.

Nützliche Links:
www.hochwasserzentrum.sachsen.de
www.hochwasserzentralen.info/meinepegel/
www.interreg-central.eu/Content.Node/RAINMAN.html

Quelle: PM & Film SMUL

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