Augustflut im Landkreis Görlitz
Schadensbilanz schon bei rund 425 Millionen Euro
Nach bisherigen Erfassungen ist dem Landkreis Görlitz durch die Augustflut 2010 ein Schaden von rund 425 Millionen Euro entstanden. Das gab Landrat Bernd Lange heute in einer Pressekonferenz bekannt. Allein der Schaden an Straßen, Brücken, ÖPNV-Anlagen und - betrage 96 Millionen Euro. In Unternehmen liege der Schaden nach bisherigem Kenntnisstand bei einer Höhe von 68.5 Millionen Euro. In der Gesamtsumme noch nicht enthalten sind die massiven Schäden an der DB-Bahnstrecke Zittau-Görlitz, die in der Hochschule sowie an den Staats- und Bundesstraßen.
„Bei der Schadensbeseitigung wird es nicht möglich sein, noch in diesem Jahr alles beheben zu können“, sagte der Landrat, „In manchen Fällen müssen wir auch vorrübergehend mit Provisorien auskommen.“ In der nächsten Zeit werde hierzu im Amt eine ständige Arbeitsgruppe für die Analyse und die Koordinierung eingerichtet. Bernd Lange hofft auf personelle Unterstützung durch den Freistaat. „Wir können das bei diesem Umfang nicht allein leisten“, stellte er fest. Lange forderte in diesem Zusammenhang die schnelle Instandsetzung der Bahnverbindung Zittau-Görlitz. Zittau sei ein Knotenpunkt für die grenzüberschreitende Verbindung in die Nachbarländer. Die DB AG will bis Ende August den Schaden an der Strecke, die auch über polnisches Gebiet geht, erfassen.
Großen Nachholbedarf sah der Görlitzer Landrat bei der grenzüberschreitenden Information in Katastrophenfällen. Der Dammbruch am Witka-Stausee in Polen war viel zu spät auf der deutschen Seite bekannt geworden. „Es muss ein System geben, auf das alle drei Seiten zu jeder Zeit, egal ob es sich um Wasser oder Feuer handelt, zugreifen können.“ Zudem müssten die automatischen Pegelmessplätze zwischen Görlitz und Forst um mindestens drei erhöht werden. Auch die stündliche Aktualisierung der Hochwasserstände im Internet sei unzureichend. Eine zentrale Frage sei zudem, wie künftig die Alarmierung der Bevölkerung bei drohenden Katastrophen ablaufen soll. Sirenen seien beispielweise nicht zu überhören, aber in einigen Orten nicht mehr vorhanden.
Morgen, am späten Donnerstag Nachmittag, wird sich der Runde Tisch zur Verteilung der Soforthilfen für extreme Härtefälle der Flutkatastrophe zum ersten Mal treffen. Hier sollen klare Richtlinien zur Vergabe der Gelder festgelegt werden. Sie sollen so unbürokratisch wie möglich, aber auch jederzeit nachprüfbar sein.
In dem Gremium sind der Landkreis, die IHK-Geschäftsstellen in Görlitz und Zittau sowie die Handwerkskammern vertreten, die Sparkasse, zwei Bürgermeister des Landkreises Görlitz für den Sächsischen Städte- und Gemeindetag sowie das DRK und Wohlfahrtsverbände.
Insgesamt stehen 2,6 Millionen Euro bereit, davon sind 1,3 Millionen bereits an die Gemeinden geflossen. Zudem können nach Angaben des Landrats auch 42 000 Euro aus dem Spendekonto für Flutopfer des Landkreises genutzt werden. Am kommenden Mittwoch sollen am Runden Tisch die ersten Gelder an extreme Härtefälle fließen.

















