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Verstanden

Nachrichten

Zittau - meine Woche #2

Datum: 07.09.2022
Rubrik: Nachrichten

Zwei Wochen Urlaub gab es in diesem Sommer für mich, zwei Wochen Facebook-Pause. Das hat beides richtig gut getan. Mit dem Auto über Graz in eine andere europäische Dreiländerregion, nach Izola in Slowenien. War sehr schön anzusehen unsere kleine Rundreise. Und einiges gelernt dabei:

Es ist super, zwei Wochen lang durch fünf Länder zu reisen und kein Geld tauschen zu müssen (entweder gab es den Euro oder bargeldlose Zahlung). Es ist super, viel Sonnencreme dabei zu haben. Es ist nicht peinlich, an der slowenischen Mittelmeerküste Badeschuhe zu tragen, wenn man ins Wasser gehen will (glaubt mir, es ist eher das Gegenteil der Fall).

In Tschechien, Österreich, Slowenien und Italien zahlt man Autobahn-Maut und wenn ich mir die Straßen und vor allem die Rastplätze da so ansehe, ist das gar keine    schlechte Idee.Dass auch im vereinten Europa alle ein eigenes, gerne mal sehr kompliziertes Mautsystems haben, ist dagegen eine durchaus schlechte Idee. Ich will nicht von Tempolimit anfangen, aber in keinem der von uns durchquerten Länder durfte man fahren wie man will und Drängler gab es trotzdem (Grüße zum Prager Ring), aber es fährt sich echt entspannter wenn Du weißt, über 130 wird es teuer.

Es ist beängstigend zu sehen, dass das Grün der Wälder überall blasser wird, in Slowenien schon seit Juli zum Trinkwasser sparen aufgerufen wird und die Duschen zum Abspülen des Salzwassers trocken bleiben. In Italien und Österreich kann man quasi an jedem Kiosk einen guten Kaffee bekommen. In Koper, Izola, Strunjan und Piran, den slowenischen Küstenorten, die wir besucht haben, verkehren kleine Elektrobusse, die man einfach anhalten oder telefonisch rufen kann und die einen dann im Stadtgebiet dort hin fahren, wo man will - absolut kostenlos.

Spiegeleiquallen mögen ungefährlich sein, ihnen beim Schwimmen zu begegnen ist dennoch nicht angenehm. Man kann eine Menge für die eigene Arbeit zu Hause lernen, wenn man hin und wieder mit offenen Augen selbst auf Reisen geht.

Monster Energie

Klar, wer in einer öffentlichen Verwaltung arbeitet wie ich, muss sich deutlich weniger Sorgen um das Begleichen der Jahresgasrechnung machen als eine arbeitslose, alleinstehende Mama von drei Kindern, aber trotzdem, Angst ist da. Die wenigste Angst habe ich davor, dass nachts keine Leuchtreklame mehr in den Städten brennt, oder dass unsere Johanniskirche und das Rathaus und die Museen nicht mehr angestrahlt werden und unsere über die Jahre immer prachtvoller leuchtende Herrnhuter Sterne Weihnachtsdeko weniger strahlen darf. Und 19 Grad im Büro sind ungemütlich aber sicher auch eine Frage der Gewöhnung.

Was mir mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, dass steigende Energiepreise im Zusammenspiel mit den in der kalten Jahreszeit wieder zu erwartenden Corona-Infektionszahlen, wieder stärker jene auf den Plan rufen wird, die meinen, hinter all den auf uns hereinbrechenden Krisen stecke das Kalkül irgendeiner höheren Macht, die es sich zum Ziel gesetzt habe, uns alle zu knechten und uns unsere Freiheit und unseren Wohlstand wegzunehmen.

Dass Montagsspaziergänge mit anschließenden Demonstrationen keine Probleme lösen können, haben wir in den letzten Monaten gesehen. Dass sie auch keine Diskussion anregen sondern vielmehr Fronten verhärten, Wut schüren und andere Meinungen verlachen, auch. Ich frage mich, ob es möglich ist, diese wie ins echte Leben überführte öffentliche Facebookgruppen wirkenden Montagstreffen in Zittau und anderen Orten der Oberlausitz irgendwie wieder zu entspannen. Ich bin überzeugt davon, dass wir alle uns aktuell das Leben noch zusätzlich schwer machen. Die einen verspotten wütend auf dem Zittauer Marktplatz den Bundesgesundheitsminister, weil eine Krankheit alle in unserem Land gefährdet und unser wankendes Gesundheitssystem übermäßig zu strapazieren droht und dann gehen sie nach Hause und nichts ist anders oder sogar besser für ihr Leben.

Andere meiden montags die Innenstadt, gehen lieber nicht um kurz nach fünf noch Besorgungen machen, weil sie den wütenden, bittere Polemik betrillernden Protestierenden (und den von nah und fern angereisten Demo-Touristen) nicht begegnen wollen. Sorgen haben sie schließlich auch, wissen aber, dass Sorgen beschimpfen nichts besser macht. Miteinander reden geht für beide Gruppen längst schon nicht mehr einfach so. Und dabei werden die kommenden Wochen uns allen einiges abverlangen. Rettungsversuche wie Gasumlagen werden nicht immer fair sein, Fehler werden gemacht werden, denn unter Druck machen wir alle Fehler.

Gerade jetzt braucht es kühle Köpfe in der Nachbarschaft. Und diese sehe ich immer seltener. Im Moment blicke ich noch sehr ratlos auf Herbst und Winter 2022 in unserer schönen Region.

Eine Kolumne von Kai Grebasch. Dem Autor können Sie bei Twitter, Instagram und Facebook folgen.

 


 

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