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Verstanden

Nachrichten

Zittau - meine Woche #3

Datum: 14.09.2022
Rubrik: Nachrichten

Tourismus ist super. Und nicht so einfach. Eine temporäre Bar auf dem Marktplatz ist toll. Wenn auch nicht für alle.

Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und auch wenn wir immer öfter davon lesen, dass Tourismus nur im Einklang mit der Natur stattfinden darf und wir alle nur von der Schönheit unserer Region profitieren können, wenn wir sie erhalten, komme ich manchmal ins Zweifeln, ob wir uns mit der Tourismuswerbung für unser schönes Zittauer Gebirge nicht ins eigene Fleisch schneiden.

Am Wochenende habe ich wieder einmal das nahe Riesengebirge besucht und war tatsächlich zum ersten Mal auf der berühmten Schneekoppe. Erst als ich mit hunderten anderen Kraxelnden an der imposanten Baude ankam, wurde klar, dass die Baude längst geschlossen und die letzte Toilette zweihundert Höhenmeter unter uns lag. Im Schlesierhaus am Fuß der Schneekoppe tobte der Kampf um eines der strapazierten Toilettenhäuschen, so dass es kaum verwunderte, dass die Büsche und Wiesen ringsum zur Notdurftstätte wurden. Ich konnte es den Menschen gar nicht übel nehmen. Dennoch, alles in allem, ein sehr hässliches Schauspiel unter strahlendem Sonnenschein.

Okay, man kann jetzt sagen, die Lausche ist keine Schneekoppe zu der die Menschen aus mehreren Ländern gepilgert kommen, aber wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, wie schön es hier ist, wenn unser Marketing richtig greift, was dann?

Ein tolles Beispiel für den guten Umgang mit Wandersleuten habe ich auch aus dem Wochenende mitgebracht: Die berühmte Peterbaude, hoch über Spindlermühle gelegen, 2011 abgebrannt und nun wieder errichtet, hat einen nagelneuen Unterstand für Wandernde. Und Unterstand ist eigentlich sehr untertrieben, denn hier gibt es saubere Toiletten und einen hübsch eingerichteten, großen Aufenthaltsraum mit Kachelofen und Kaffeemaschine mit frischem Kuchen. Letztere beide mit einer Kasse des Vertrauens zu bedienen. Das war große Klasse und beste Werbung für den Nationalpark Riesengebirge. Ich denke immer mehr, wir können uns eine Menge abgucken bei unseren Nachbarn - im Guten wie im Schlechten.

Böse böse Beachbar

Ich dachte wirklich: das ist das stärkste Projekt unter den eingereichten Bewerbungen für eine Finanzierung aus dem Bürgerfonds der Stadt Zittau. Eine Beachbar mit echtem Sandstrand auf dem Marktplatz unserer Stadt! Super! Oder?

Vielleicht erkläre ich kurz den Hintergrund der Geschichte. Das Geld für besagten Bürgerfonds kam vom Freistaat. Sozusagen als Anerkennung für den Kulturhauptstadtprozess und zur Unterstützung dafür, dass einige Ideen aus der Bewerbung tatsächlich umgesetzt werden können. Die Rahmenbedingungen für die Beteiligung kann man auf zittau.de nachlesen, die Auswahl der Projekte trafen schließlich verschiedene Ausschüsse und der Kultur- und Tourismusbeirat der Stadt. Wer über den Sommer nur Zeitung und Facebook gelesen hat, konnte meinen, das Ganze sei eine irre Schnapsidee des Citymanagers gewesen. Nein, mitnichten.

Die Idee war es, die Bar mit Hilfe der Gelder zu errichten. Bespielen sollten sie dann die Zittauer Gastronomen. Die Kneipen und Bars unserer Stadt sollten Gelegenheit bekommen, auf dem Sandstrand am Marsbrunnen ihre Drinks anzubieten. Beste Werbung für alle. Prima. Dachten wir. Denn von der ersten Minute an hatte unser Citymanager größte Probleme, die Zittauer Gastronomie zu aktivieren. “Schöne Idee, aber kein Personal”, kam immer wieder als Antwort. Schade, aber in der aktuellen Situation verständlich. Es kam schließlich dazu, dass sich der eine Anbieter, der sich hatte gewinnen lassen, über viele Wochen auf dem Markt engagierte. (An dieser Stelle muss ich mal Namen sagen: danke Pizza Franko für Euren Einsatz.)

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Nicht ganz so prima gelaufen wie gedacht, aber trotzdem schön und die Menschen haben es genossen, im Liegestuhl auf dem Markt zu sitzen.

Die Geschichte ist aber nicht zu Ende, denn einige, für die das Angebot gedacht war, witterten Konkurrenz. Es gab Hausverbote für den Citymanager. Beim Ordnungsamt gingen Anfragen ein: “Haben die überhaupt einen richtigen Wasseranschluss? Und Toiletten? Wie ist es mit Toiletten?”. Es wurde gemunkelt, Gäste der Strandbar würden ihre Notdurft in Hauseingängen verrichten. Und als schließlich ein Brandanschlag auf die Bücherbox verübt wurde, konnten das natürlich nur die Gäste der Beachbar gewesen sein. Die schlechten Nachrichten kamen bald täglich. Ich sage es ungern, aber die lokale Zeitung hat in dieser Zeit keine besonders ruhmreiche Rolle gespielt. Ruhe zog erst ein, als Ende August Schluss war mit kühlen Drinks am Brunnen. Heute nun wurde die Bar abgebaut.

Was von der Beachbar bleibt, sind eine ganze Reihe frustrierter Akteure, die etwas Gutes für ihre Stadt erdacht haben und dafür viel Missgunst ernteten ja zum Teil genüsslich verbal verprügelt wurden. Und zurück bleibt auch eine nicht zu unterschätzendes Zahl an Besucherinnen und Besuchern, die begeistert von der tollen Idee ihre Drinks im Liegestuhl nahmen und Fotos davon in alle Welt gepostet und von dem ganzen Zirkus gar nichts mitbekommen haben.

Ob die Idee eine Zukunft hat - wie es eigentlich mal gedacht war - steht völlig in den Sternen. Dass sich die Lust am Innenstadtstrand bei den MacherInnen in engen Grenzen hält, kann man ihnen kaum verübeln.

Eine Kolumne von Kai Grebasch. Dem Autor können Sie bei Twitter, Instagram und Facebook folgen.

 

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