Informationen über Cookies auf dieser Website

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Verstanden

Nachrichten

Zittau - meine Woche #13

Datum: 16.11.2022
Rubrik: Nachrichten

Turów - Vom buchstäblichen Untergraben trinationaler Zukunftspläne. Meine Woche vom Corona Krankenbett betrachtet.

Unter Nachbarn

Kaum war die Nachricht in der Welt, dass die Stadt Zittau an einem polnischen Gericht gegen das aus ihrer Sicht unzureichende Umweltverträglichkeitsgutachten zur Erweiterung des Tagebau Turów Klage einreichen würde, wurden in den Netzwerken schon die virtuellen Messer gewetzt, die schwarzweißen Weltkriegsfotos für Memes verbraten und Reparationen für Kriegsschäden gefordert. Die kleine Stadt Zittau hatte irgendwie die selbstbewussten europäischen Nachbarn Polen und Deutschland zumindest virtuell gegeneinander aufgebracht. Was ist denn hier los, habe ich mich sicher nicht als einziger gefragt.

Nüchtern betrachtet, wurden schon allein durch die Nachricht über den Stadtratsbeschluss zur Klage die Internet-Troll-Maschinen in Gang gesetzt. Altbekannte, immer wieder neu gehegte Vorurteile und Ängste der Menschen dies- und jenseits der Neiße kommen wieder in die Breaking News. “Polen will Reparationen für den zweiten Weltkrieg”, “Deutschland will mal wieder die Nachbarn dominieren” - der Algorithmus erkennt, was mehr Angst und/oder Empörung verursacht und haut weiter in die entsprechende Kerbe. Wie immer in solchen Situationen, heißt es Ruhe bewahren und auf die Desaster-Bremse treten.

Die ganze Aufregung gründet auf der Angst der sächsischen Stadt Zittau vor den Folgen der Bergbauaktivitäten vor der eigenen Haustür. Da der täglich tiefer in die oberlausitzer Idylle schneidende Tagebau nicht westlich sondern östlich der Stadt liegt, ist die Klärung der drängenden Fragen nicht ganz so einfach, denn es treffen neben unterschiedlichen Sprachen und Interessen eine Menge Befindlichkeiten aufeinander. Nun liegen Stadt und Grube zwar nicht im selben Land, wohl aber in der selben Staatengemeinschaft und so sollte es doch möglich sein, ohne Geschrei und Drama miteinander zu sprechen. Die Grubenbetreiber geben sich ahnungslos. Zucken mit den Schultern ob der von den deutschen Nachbarn geäußerten Fragen. Und irgendwann ist dann halt genug gefragt. Wenn Gespräche nicht zum Erfolg führen, gibt es rechtsstaatliche Mittel, die eine Klärung erzwingen können. Sicher, die Befürchtung, dass die Stadt Zittau sich anschickt, hier gerade eine zumindest von deutscher Seite bisher geflissentlich verschlossen gehaltene Büchse der Pandora zu öffnen und bilaterale Entzündungsherde zu entfesseln, die größer sind als ein Tagebauloch es sein kann, hängt über uns allen. Aber wenn wir - weiter nüchtern betrachtet - einfach mal davon ausgehen, dass die Menschen in Zittau nicht ihren in nationaler Randlage vereinten Nachbarn in Bogatynia die Jobs wegnehmen, sondern einfach gern weiter ihr Trinkwasser verfügbar haben und von Absenkungen, Lärm und Feinstaub verschont bleiben wollen, dann ist das Drama ja vielleicht gar keins. Im Verbund mit unseren tschechischen Nachbarn in Hradek nad Nisou haben wir mit den Menschen in Bogatynia über Jahrzehnte im gemeinsamen Städteverbund zusammengearbeitet, Vorurteile abgebaut und ja, Freundschaften geschlossen. Auch wenn ich aktuell nicht gerade optimistisch bin, hoffe ich doch sehr, dass wir uns das Erreichte jetzt trotz tatsächlicher und künstlich heraufbeschworener Ängste, nicht einfach kaputt machen (lassen).

Eine Kolumne von Kai Grebasch. Dem Autor können Sie bei Twitter, Instagram und Facebook folgen.


 

Weitere Meldungen aus dieser Rubrik

Vermummte überfallen und verletzen...

Bei einem Fußballspiel in Rammenau ist es am Sonntagnachmittag zu schweren Auseinandersetzungen gekommen.... [zum Beitrag]

Wolf wird aus Grube befreit

Eine außergewöhnliche Rettungsaktion hat am Freitagvormittag in Deschka stattgefunden. Ein Spaziergänger... [zum Beitrag]

Lkw und Rettungswagen stoßen in...

Am Dienstagmittag sind an der Kreuzung Görlitzer Ecke Leipziger Straße in Zittau ein Lkw und ein... [zum Beitrag]

Lausitzer Füchse mit einer...

Die Kufencracks aus Weißwasser haben am Freitagabend einen ganz wichtigen Heimerfolg feiern können. In... [zum Beitrag]

Zittau - meine Woche #15

Zehn Jahre Stadtmarketing für Zittau. Da habe ich doch beinahe mein eigenes kleines Jubiläum... [zum Beitrag]

Polizeibeamter wird verletzt

Am Freitagabend gegen 20:15 Uhr ereignete sich ein Verkehrsunfall, wobei ein 30-jähriger Deutscher mit... [zum Beitrag]

Pkw und Schulbus zusammengestoßen

Am Freitagmorgen ist auf der Rodewitzer Straße im Weißenberger Ortsteil Wurschen ein Pkw mit einem... [zum Beitrag]

FRAUENSACHE

In unserer Rubrik "Vorhang auf" stellen wir Neuinszenierungen am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in... [zum Beitrag]

Schockanruf in Großschönau

Ein Tatverdächtiger meldete sich am Telefon und gab sich als Staatsanwalt aus. Ihm gelang es der... [zum Beitrag]