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Nachrichten

Zittau - meine Woche #19

Datum: 24.01.2023
Rubrik: Nachrichten

Letzte Woche war das öffentliche Geschrei mal wieder groß. Pfennigpfeifer schließt seine Filiale am Löbauer Platz. Der Stadtsprecher ist als Überbringer der Nachricht schuld, der Oberbürgermeister sowieso, erst Recht aber ein Einzelhandelskonzept, welches sich die Verwaltung offenbar aus lauter Böswilligkeit gegenüber den Einkaufsgewohnheiten der Schreibwarenkonsumentinnen Zittaus hat einfallen lassen. Der Volkszorn kochte hoch. Und wie.

Dabei ist der aktuelle Ärger nicht etwa eine fixe Idee aus dem Rathaus sondern Folge einer stadtentwicklerischen Entscheidung, die schon 2008 getroffen wurde. Seitdem hat Zittau ein Einzelhandelskonzept. Einfach ausgedrückt, hat Zittau seitdem ein Programm zur aktiven Verhinderung der Verlagerung der städtischen Einkaufsgelegenheiten auf die für Handelsriesen bequeme grüne Wiese am Stadtrand. Alle, die zu diesem Zeitpunkt schon außerhalb der Innenstadt ansässig waren, sollten bleiben, alle neuen Einzelhandelsbauten sollten - für bestimmte Sortimente - nur noch in der Innenstadt investieren dürfen. Das Konzept gedacht als Schutzschild für die Einkaufsinnenstadt.

Als Spielverderber bewies sich allerdings unsere zauberhafte historische Innenstadt, denn für heutige Einkaufsgewohnheiten, für Lieferzufahrten und weiträumige Regalflächen ist das kleinteilige Minilädchenumfeld nahezu ungeeignet. Ob das Einzelhandelskonzept insgesamt gescheitert ist, darf dennoch in Frage gestellt werden, denn so manche große Kette hätte unserer Innenstadt ohne Frage längst den Rücken gekehrt, hätte man die Möglichkeit gehabt, am Stadtrand modern und preiswert neu zu bauen. Für Pfennigpfeifer gab es keine Räumlichkeiten in der Innenstadt und wie es aussieht, werden auch nicht so schnell geeignete Flächen frei werden, also muss man jetzt die Segel streichen. Das ist schade, aber laut gültigem Einzelhandelskonzept unvermeidbar. Aus Sicht des Händlers sicher nicht so schlimm, hier im deutschen Kaufkraftkeller, oder?

Wie interessant der Standort Zittau für große Handelsketten ist, zeigt ganz im Gegenteil die Klage von Edeka gegen das Verbot, einen großen neuen Markt abseits der Innenstadt zu bauen. Das Interesse der Lebensmittler zeugt - auch wenn man sich bei Edeka laut deren Pressestelle darum sorgt, dass die Zittauerinnen und Zittauer ohne neuen Supermarkt verhungern müssten - eher vom Interesse an tschechischen Einkäuferinnen als von Nächstenliebe. Man liebt schließlich nicht nur Lebensmittel sondern auch Umsatz. Und der ist mit vielen Produkten auf gut erreichbarer großer Fläche sehr viel leichter zu erzielen als in engen Innenstadtgassen.

Also was nun? Die Stadträtinnen und Stadträte werden sich ohne Frage nicht zuletzt wegen des Unmutes in der Stadt bald mit dem Einzelhandelskonzept befassen. Und Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung arbeiten weiter daran, dass unsere Innenstadt nicht komplett zu einer schönen Stadt mit leeren Schaufenstern wird. Ob sie es verhindern können, liegt auch daran, wie und wo wir alle einkaufen gehen.

Turów

Stell Dir vor, Deine Stadt fällt ein und niemand interessiert sich dafür. Seit der Entscheidung unserer polnischen Nachbarn, den Tagebau an der westlichen Grenze des Landes so tief zu buddeln wie man will, ohne Rücksicht auf Verluste (bei den Nachbarn), ist viel passiert. Obwohl, eigentlich nicht. Es gibt keine Protestnoten der sächsischen Landesregierung, keine Verstimmung auf nationaler Ebene, keine Bürgerproteste, nichts. Studie um Studie malt das Zukunftsbild für Zittau finsterer und niemand stört sich daran. Ist das tatsächlich alles große Politik in der die kleine Stadt Zittau nun ja, leider zermahlen werden muss? Letzte Woche war das ZDF zu Gast bei uns. Wer den Länderspiegel verpasst hat, kann den Bericht von Cornelia Schiemenz hier noch einmal nachsehen, ab Minute 12 geht’s los: ZDF Mediathek

Eine Kolumne von Kai Grebasch. Dem Autor können Sie bei Twitter, Instagram und Facebook folgen.

 

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